Gedicht zu Krypta-Einweihung

Einweihung der renovierten Krypta

St. Andreas –Neuenberg am 3.2.2006

von Günther Elm
 
 

Die Krypta ist nun einmal heute,
wie wir erfahren und verstehen,
der rechte Anlass – Grund zur Freude,
für mich vertraut – ein Wiedersehen.

Vor 58 Jahren schon,
hab’ ich gekniet auf diesen Stufen,
mit Stolz als kleiner Erdensohn,
hier wurden wir zur Pflicht gerufen.

Anbetung war zu später Stunde;
als Messdiener – die ganze Nacht,
wurde in der Krypta – Runde,
mit Andacht betend zugebracht.

Zwei Kerzen brannten in der Stille,
ein Murmeln ging durch diesen Raum,
doch ein Erlebnis war’s in Fülle,
als Messdiener – man glaubt es kaum.

Wir fühlten uns ganz wichtig eben,
eingebunden – aufgestellt,
zum ersten Dienst in uns’rem Leben,
so sinnvoll für die Glaubenswelt.

Ein Geheimnis lag verborgen,
in dieser Gruft, ganz offenbar;
kam durch das Fenster dann der Morgen,
war’s ein Erlebnis – wunderbar.

Nie hat mich das Gefühl verlassen,
als kleiner Junge sowieso,
man konnte diese Stille fassen
und irgendwie ist’s heut’ noch so.

Wir wussten dass da Säulen standen,
natürlich waren sie vertraut,
ein Kreuzgewölbe war vorhanden;
wie alt das war und wer’s gebaut,

und was die Fresken uns erzählten,
verstanden wir beileibe nicht,
wir zählten zu den Auserwählten,
nur hier zu beten war uns Pflicht.

Viel später machte man uns schlauer,
bracht uns die Kunstgeschichte nah,
erfuhren nach und nach genauer,
wie wertvoll diese Krypta war.

Das Opfer von Melchisedech
und das von Abel wurd’ erklärt,
doch leider hatten wir das Pech,
dass wir nie richtig hingehört.

Die Neugier kam erst leider später,
doch nicht zu spät, wie ich gefühlt,
nun interessiert sich ja nicht jeder,
doch wer in der Geschichte wühlt,

erkennt sehr schnell, was diese Wände
bedeuten aus vergang’ner Zeit,
es waren sehr geschickte Hände,
auch war’n die Köpfe sehr gescheit.

Bis heute in modernen Zeiten,
bestaunt man diese Kunst – zum Glück,
kann dem Betrachter wohl bereiten,
den ungetrübten Blick zurück.

Jahrhunderte vor uns’ren Tagen,
der Glaubensbotschaft Kraft gewählt,
stellt sie bis heute ihre Fragen,
gibt Antwort auch - und sie erzählt.

So ist die Botschaft wach geblieben,
die heut’ noch jeden Christ erreicht,
sie bleibt in unser Herz geschrieben,
kein Zweifel bleibt und kein Vielleicht!

So zog es mich auch immer wieder
zu dieser stillen Gruft hinab,
knie in Erinnerung mich nieder
und denke an Abt Richard’s Grab.

Dass ich vor Ehrfurcht mich verneige,
und in Gedanken geh’ zurück,
bleibt, was ich keineswegs verschweige,
so etwas wie ein kleines Glück.

Als Kind erlebt – Anbetungstage,
ganz früh am Morgen oder spät,
hat in mir – das steht außer Frage –
den Sinn des Glaubens angesät.

Nun wurd’ sie renoviert – ganz fleißig,
fachmännisch und mit Akribie,
geschickt von Frauenhand – das weiß ich;
die Gruft zeigt Schönheit – so wie nie.

Frau Kenner saß – wie Ihr ja wisst –
vor dieser alten Malerei
jahrelang auf dem Gerüst
und legte diese Kunst uns frei;

ging gegen Staub und Schimmel an,
geduldig, Millimeter nur;
kam so, wie man heut' sehen kann,
den alten Könnern auf die Spur,

die damals schon mit Liebe machten,
was Auftrag war und Christenpflicht,
was sie gefühlt und dabei dachten,
wir ahnen's nur – wir wissens's nicht.

Ob sie vor ihrem Werk so standen,
wie wir heut' in der neuen Zeit,
und ihre Arbeit wertvoll fanden,
dies hüllt sich in Verschwiegenheit.

Wohin uns auch Gedanken lenken,
zurück in diese alte Welt,
mit Hochachtung wir daran denken,
was glaubensfroh sie dargestellt.

Wir leben – möchte ich betonen –
von dem, was einmal vor uns war,
nach Vorbildern und Traditionen;
nur so wird auch die Zukunft klar.

Wenn wir das Alte dankbar pflegen,
davor in aller Ehrfurcht steh'n,
bringt es in jedem Fall auch Segen,
wie wir an dieser Krypta seh'n.

Erhalten für die Nachwelt – herrlich,
die sich daran erfreuen kann;
für jeden, so beton ich ehrlich,
bleibt's ein Geschenk, für Frau und Mann.

Für mich persönlich – eine Freude,
Erinnerungen – sind's ganz klar.
Die Krypta bleibt – und nicht nur heute –
ein ganz besond'rer Ort fürwahr.

Von meinem Haus schau ich herüber
auf meine Kirche – Tag für Tag,
und immer wird der Blick mir lieber,
wofür ich herzlichst Danke sag.