Unsere Krypta erhält Europäischen Kulturpreis

Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   (27. April 2007)

Krypta St. Andreas Fulda Neuenberg

Unsere restaurierte Krypta erhält Europäischen Kulturpreis
Große Anerkennung für geleistete Arbeit an einem bedeutsamen kunsthistorischen Objekt

Am Donnerstag, 26. April, wurden in Den Haag die Preisträger bekanntgegeben, die in diesem Jahr den Europäischen Kulturpreis für die Restaurierung und Erhaltung kostbarer Kulturgüter in Europa erhalten werden.
Neben fünf Top-Preisen, die mit je € 10.000,- dotiert sind, wurden europaweit 16 Zweite Preise (Medaillen) verliehen. Zu den Preisträgern der zweiten Kategorie gehört auch die Gemeinde St. Andreas in Fulda-Neuenberg, die mit Unterstützung des Landesamts für Dankmalpflege (Wiesbaden) und der Bischöflichen Baubehörde Fulda in 15-jähriger Arbeit die wertvolle ottonische Krypta restaurieren ließ.
Die Preise für Europäisches Kulturerbe wurden am 8. Juni 2007 in der Stadthalle von Stockholm im Rahmen einer feierlichen Zeremonie

und in Anwesenheit des Schwedischen Königspaares den Preisträgern verliehen. Für alle, die an der Restaurierung der ottonischen Krypta in Fulda-Neuenberg beteiligt waren, stellt dies eine besondere Ehre dar.

 

Hier die offizielle Begründung der Jury für die Preisverleihung:

 

Für die sorgfältige und einfühlsame Restaurierung und Konservierung eines seltenen Beispiels für einen ausgemalten ottonischen Kirchenraum in Deutschland, welcher einen wertvollen Einblick in die mittelalterliche Malerei gibt.

Die "al secco"-Malereien in der kleinen Krypta der St. Andreas Kirche erstrecken sich über eine Fläche von 60 qm und können zwei verschiedenen Phasen um 1023 und 1039 zugeordnet werden. Neben der St. Georgs-Kirche auf der Insel Reichenau zählt sie zu den kostbarsten und seltensten Beispielen eines vollständig erhaltenen und ausgemalten frühmittelalterlichen Kirchenraums. Wichtige Elemente sind ein Zyklus von 22 Engeln, die von verschiedenen Ornamentbändern eingerahmt werden, außerdem alttestamentliche Szenen, die Darstellung des thronenden Christus und ein mittelalterlicher Tugendkatalog.

Die Wandmalereinen wurden 1932 unter acht Putzschichten entdeckt, jedoch unsachgemäß – entsprechend den Kenntnissen der damaligen Zeit – restauriert. 1990 waren die Wände infolge von einem komplexen Zusammenspiel von Faktoren (Verschmutzung, Feuchtigkeit, Kerzenruß, Schimmel, verschiedene Mikoro-Organismen und bauliche Schäden) und wegen der unsachgemäßen Anwendung von Wachs und Kasein bei den Restaurierungsversuchen des 20. Jahrhunderts in derart schlechtem Zustand, dass ein Großteil der Malereien nicht mehr ablesbar war.

Ausführliche Untersuchungen führten zu Erkenntnis, dass die Retuschen und Übermalungen, die bei früheren Eingriffen in die Malerei aufgetragen worden waren, dringend zu entfernen seinen und die ursprüngliche Malereisubstanz gereinigt und gefestigt werden müsse. Die Restaurierung konnte nur durch Einschaltung eines Expertenteams aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und mittels modernster Techniken durchgeführt werden. Dabei wurde ein eigenes Calciumhydrat (Calxnova) entwickelt, das heute über ganz Europa verbreitet ist. Ein modernes Unterputz-Heizröhrensystem sorgt für gleich bleibende klimatische Verhältnisse, die ständig gemessen und überwacht werden.
Nach 15-jähriger intensiver Arbeit steht nun die Krypta wieder den Besuchern offen und wird selbstverständlich wieder für gottesdienstliche Handlungen genutzt.

 

Die Wandmalereien der Ottonischen Krypta in St. Andreas, Fulda
Die Wandmalereien der Ottonischen Krypta
in St. Andreas, Fulda